150917 Tana Toraja – Rantepao

Tana Toraja im gebirgigen Hochland von Sulawesi ist bekannt für die einmaligen traditionellen Wohnhäuser und Reisspeicher die bis heute in vielen Orten im alten Stil erhalten geblieben sind und weiterhin gepflegt werden.
Zudem werden hier trotz christlicher Missionierung altertümliche Begräbniskulte beibehalten und tagelange Bestattungszeremonien veranstaltet an denen oft mehrere Dörfer beteiligt sind und animistische Opferrituale durchgeführt werden.
Dabei werden bei bedeutenden Begräbnissen etliche Schweine und bis zu 24 Büffel geschlachtet und das Fleisch unter den beteiligten Gemeinden aufgeteilt.
Da das Ansehen der Familien nicht nur von der Zahl der geschlachteten Büffel sondern auch von der Anzahl der Gäste abhängt, sind bei diesen Feierlichkeiten auch fremde Reisende gern gesehen, sofern sie ein kleines Gastgeschenk mitbringen (oft in Form von einigen Stangen Zigaretten).

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Traditionelle Wohnhäuser wie man sie rund um Rantepao in jedem Ort findet, hier drei verwitterte Exemplare mit originaler Bambusdachdeckung in Londa.

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Die dazugehörigen Reisspeicher werden in sehr ähnlicher Bauart hergestellt, lediglich die Zugangstreppe fehlt und die Stützen sind aus runden Palmstämmen gefertigt (als Schutz vor gefräßigen Tierchen). Die einzige Zugangsöffnung ist fast immer mit einem Büffelkopf verziert.

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Hier sieht man Dachdecker beim Erneuern der typischen Bambus-Dachhaut. Mittlerweile werden aber immer öfter auch Wellbleche oder Dachplatten aus Metall verwendet.

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Die Seitenwand dieses Wohnhauses wurde mit den Kiefern geschlachteter Büffel geschmückt. Häufig sieht man auch die Büffelhörner an der Giebelseite aufgereiht.

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Die Holzkonstruktionen sind üblicherweise so gut geschützt, dass sie nur ab und zu mit neuen Dächern versehen werden müssen. Es kommt aber auch vor dass komplette Häuser ersetzt werden oder gar neue gebaut werden, wie hier in Palawa zu sehen. Die komplexe Dachform erfordert ausgefallene Bambusgerüste.

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Besichtigung einiger Reisspeicher in Tikala mit den „Herren“ des Hauses.

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Im Norden an den Hängen des Mount Sesean war die Reisernte noch in vollem Gange, während die Felder im Tal bereits abgeerntet waren.

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Dieses Knäuel von Hundewelpen haben wir mitten auf der Straße zwischen Lokomata und Tikala vorgefunden, seelenruhig schlummernd.

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Rundgang auf dem Büffelmarkt in Bolu.

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Büffel mit Schönheitsfehlern, wie hier mit nach unten gekrümmten Hörnern, oder teils bzw. komplett weiße Büffel erzielen im Regelfall höhere Preise da diese besonderen Tiere seltener sind und auf keiner Bestattungsfeierlichkeit fehlen dürfen.

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Ein Schwein wird für den Transport vorbereitet. Meist werden die kleineren auf einer Bambuspalette mit dem Motorroller verfrachtet, größere Exemplare dürfen mit dem Pickup fahren.

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Felsengräber in einem hausgroßen Findling bei Bori. Noch heute werden in diesen Felsblöcken Grabnischen als letzte Ruhestätte herausgemeißelt. Bis zur Bestattung können schon mal Monate oder sogar Jahre vergehen bis die Familie genung Geld für eine angemessene Zeremonie gesammelt hat.

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Nischengräber in einer Felswand bei Lemo. Die „Tau Tau“ genannten Holzfiguren sollen die Gräber bewachen und sind oft mit den Gesichtszügen und der Kleidung der Verstorbenen versehen.

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Hängegräber in einer Steilwand bei Ke‘te Kesu. Traditionell werden die Bestattungen erst nach der Reisernte vollzogen, solange verbleiben die Särge im Haus der Familie und der Verstorbene wird nur als „krank“ betrachtet, bekommt somit auch seinen Anteil an den Mahlzeiten.

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Während der Begräbnisfeierlichkeiten wird der Sarg in einem Aufbahrungsturm aufgestellt. Bei hohen Bestattungen (mindestens 24 Büffel) wird danach ein Megalith aufgestellt, hier in Bori sind demnach etliche hochrangige Gemeindemitglieder begraben.

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Als Grabbeilagen werden dem Toten oftmals Geld, mitunter aber auch Zigaretten mit auf die Reise gegeben.

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Traditionell gab es drei Formen von Särgen. Männer wurden in Büffelsärgen bestattet, Frauensärge hatten eine Bootsform und der Sarg in Schweineform war für Kinder gedacht. Kleinkinder denen noch keine Zähne gewachsen waren, wurden in Baumgräbern bestattet (kleine Grabnischen im Stamm eines dicken Baumes ähnlich den Felsgräbern).

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Um die große Zahl an Besuchern unterzubringen werden um die vorhandenen Gebäude und Speicher Temporäre Bauten für die Bestattungszeremonie errichtet.

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Teil der Festlichkeiten sind auch die beliebten Büffelkämpfe. Ein Sieg kann den Wert eines Büffels erheblich steigern und das Publikum vertreibt sich die Zeit mit Wetten auf den Champion.

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Vor der Schlachtung werden sämtliche Büffel präsentiert und von der Familie auf die verschiedenen beteiligten Gemeinden verteilt. Die Ortsvorstände entscheiden dann welche der ihnen zugesprochenen Tiere sie schlachten wollen und wieviele wieder verkauft werden um mit dem Geld sonstige Projekte zu verwirklichen. Das Fleisch der getöteten Tiere wird anschließend unter den Gemeindemitgliedern aufgeteilt.

2 Kommentare

  1. Die Häuser haben ja einen fantastischen Baustil. Und dann dieses kuschelige Welpenvölkchen .Einfach schön! Aber : An dieser Beerdigungszeremonie hätte ich wohl nicht teilnehmen mögen.Zu viel Büffel!Zu viel Blut!Sehr interessant wie die Menschen dort ihre Toten
    Im Fels beisetzen und Wächterfiguren hinstellen. Wohl ein sehr alter Kult!

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